WILHELM SCHNARRENBERGER 1892-1966



Selbstbildnis im Frack 1953 - Öl auf Leinwand, 85,5 x 36 cm

Wilhelm Schnarrenberger zählt zu den Vertretern der Neuen Sachlichkeit. * Er ist der Sohn eines Gymnasialprofessors und machte 1911 sein Abitur. Von 1911 bis 1915 besuchte er die Königliche Kunstgewerbeschule München und studierte parallel in München Architektur. Ab 1913 war er Schüler des Gebrauchsgrafikers Fritz Helmuth Ehmcke und ein Freund von Karl Rössing. 1918 wurde er zum Dienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Er war 1919 für die Zeitschrift Der Weg und ab 1920 für die Zeitschriften Wieland und Simplicissimus tätig. Schnarrenberger unterrichtete von 1921 bis 1933 an der Badischen Landeskunstschule.

1924 war er Gründungsmitglied der ORNA-Werkstätten für Werbung und Innendekoration. Unter den Nationalsozialisten war seine Kunst verpönt und wurde 1937 als entartet gebrandmarkt und verboten, nachdem er bereits seit 1933 nicht mehr unterrichten durfte. 1933 übersiedelte er mit seiner Familie nach Berlin, wo er versuchte als freischaffender Gebrauchsgrafiker seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Den bevorstehenden Krieg voraussehend zog er 1938 nach Lenzkirch im Schwarzwald, wo er zusammen mit seiner Frau Melitta Schnarrenberger geborene Auwärter eine kleine Ferienpension eröffnete. Hier entdeckte er das, für sein späteres Werk so wichtige Thema des Stillleben. 1947 wurde er zum Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen.

1962 erhielt er für sein künstlerisches Werk den Hans-Thoma-Staatspreis.

Schnarrenberger legte stets auf das handwerkliche Können seiner Schüler großen Wert, so mussten diese zuerst das Zeichnen von architektonischen Gebäuden und Alltagsgegenständen erlernen, bevor er sie malen ließ.


* Die Neue Sachlichkeit in der Kunst fand ihre Ausprägung in verschiedenen Kunstgattungen wie der Malerei, der bildenden Kunst und gleichzeitig im Film. Der Begriff wurde schließlich 1925 anlässlich einer stark beachteten Ausstellung nachexpressionistischer Kunst in der Kunsthalle Mannheim geprägt. Der Zeitrahmen der Neuen Sachlichkeit wird gemeinhin mit dem der Weimarer Republik gleichgesetzt: 1918 bis 1933. Sie begann unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg mit der Hinwendung vieler Künstler zu sozialkritischen Bildthemen und endete 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und nachfolgenden Gleichschaltung der Medien.